Paralympics: Rekorderfolg für russisches Team

Die russische Paralympia-Mannschaft belegt den ersten Platz im Medaillenspiegel. Russland konnte insgesamt 80 Medaillen erringen, darunter 30 Goldmedaillen. Damit übertrafen die Russen den Medaillenrekord von Österreich, das bei den Spielen 1984 70 Medaillen gewann.

Abschlussfeier der Paralympischen Spiele in Sotschi. Foto: Wiktor Wasenin / Rossijskaja Gazeta

Timur Ganejew, für RBTH

Russland übertrifft Uraltrekord der Österreicher

„Das ist ein fantastisches Ergebnis für unsere Mannschaft. Wir hatten sehr auf den ersten Platz in der Mannschaftswertung gehofft, aber eine solche Anzahl an Medaillen hatten wir nicht erwartet“, sagte der erste Vizepräsident des Paralympischen Komitees in Russland und Exekutivmitglied der Internationalen Sportföderation der Rollstuhlfahrer und Amputierten (IWAS), Pawel Roschkow. „In den Weltcups sind wir führend bei vielen Disziplinen, aber die Paralympics sind ein Auftritt völlig anderen Maßstabs. Ich finde, dass ein großer Anteil des Erfolgs unserem Trainerstab gehört, der die Sportler ideal auf die Wettkämpfe in Sotschi vorbereitet hat.“

Den zweiten Platz der Mannschaftswertung nimmt das deutsche Paralympia-Team ein, das bei den letzten Paralympics in Vancouver in der Nationenwertung noch knapp vor Russland lag. Diesmal haben die deutschen Sportler 15 Medaillen – neun Gold- und fünf Silbermedaillen sowie eine Bronzemedaille – errungen. Der dritte Platz gehört, wie schon vor vier Jahren, der kanadischen Nationalmannschaft mit 16 Medaillen.


Ukrainer und Russen – Haus an Haus

Auch die ukrainische Mannschaft war in Sotschi mit 25 Medaillen sehr erfolgreich. „Vor dem Start der Spiele dachte die ukrainische Mannschaft noch daran, nicht an den Spielen teilzunehmen. Letztendlich entschied man sich aber doch für eine Teilnahme. Das freute insbesondere die Sportler, die sich vier Jahre lang darauf vorbereitet haben“, bemerkte Roschkow. „Die innere Anspannung war spürbar, aber sie äußerte sich nicht bei den täglichen Begegnungen mit russischen Sportlern. Sie wohnten nebeneinander, kommunizierten und teilten ihre Eindrücke miteinander und unterstützten sich gegenseitig.“


Sechs und fünf Goldmedaillen

Die größte Anzahl der Medaillen wurde im Ski-Alpin-Sport vergeben, insgesamt gab es hier 30 Entscheidungen. Die Mannschaften Russlands und Deutschlands gewannen jeweils sechs Medaillen. Die 21-jährige Skifahrerin Anna Schaffelhuber aus München wurde zu einer der großen Heldinnen der Spiele in Sotschi: Sie gewann fünf Goldmedaillen. „Das ist für mich ein unglaublicher Erfolg“, sagte Schaffelhuber. „Ich habe mich hier wunderbar gefühlt. Sotschi hat mir sehr gefallen, vor allem die Eröffnungs- und die Schlusszeremonien sowie die Pisten. Für uns Paralympioniken sind hier hervorragende Bedingungen geschaffen worden. Wir hatten keinerlei Probleme, uns zwischen den Wettkampstätten und innerhalb des olympischen Dorfs zu bewegen. Ich will auch den Freiwilligen danken, die uns unterstützt haben“, so die Bayerin weiter.

Eine Goldmedaille mehr als Schaffelhuber errang der Russe Roman Petuschkow. Damit schuf Petuschkow einen historischen Rekord: Er wurde zum einzigen sechsfachen Sieger der Paralympics in der Geschichte der Spiele. Dreimal gewann Petuschkow Gold im Biathlon und dreimal in Skilanglaufdisziplinen: „Ich kann meine Gefühle nicht mit Worten wiedergeben. Ich habe das erste Gold für Russland in Sotschi gewonnen und das half mir natürlich bei den folgenden Wettkämpfen“, erzählte Petuschkow. Bescheiden fügte er hinzu: „Sotschi wurde zu einer Stadt, wo Menschen mit Behinderung sich wie vollwertige Menschen fühlen können. Das ist mehr wert als alle Siege in der Loipe.“

Am Abschlusstag der Spiele sahen die Zuschauer ein glanzvolles Finale im Sledge-Eishockey, das der Paralympics-Gastgeber nach einem harten Kampf gegen die Nationalmannschaft der USA mit 0:1 verlor. Die russische Sledge-Eishockey-Nationalmannschaft hat eindrucksvoll gezeigt, wie man innerhalb weniger Jahre eine spielstarke Mannschaft aufstellen kann. Noch vor drei Jahren gab es diese Mannschaft gar nicht und ihr erstes offizielles Turnier verlor sie mit einem Torverhältnis von 0 zu 60 Toren. Und jetzt also Silber.


Positive Entwicklung wird in Russland weitergehen

Pawel Roschkows Meinung zufolge können weitere Sportler mit eingeschränkten Fähigkeiten den Weg der russischen Nationalmannschaft im Sledge-Eishockey wiederholen: „Wir hoffen, dass ein erfolgreicher Auftritt unserer Sportlerinnen und Sportler sowie die breite Medienpräsenz der Spiele es schaffen, mehr Kinder mit Behinderung in unseren Sport zu locken, damit sich unsere Mannschaft vergrößert“, schloss der Vize-Präsident des Paralympischen Komitees in Russland. „Es gab eine Zeit, als wir jeden in die Nationalmannschaft aufnahmen, der sich einigermaßen bewegen konnte. Heute haben wir eine gesunde Konkurrenz. Wir haben die Programme zur Hilfe und sportlichen Betätigung für Menschen mit Behinderung nach den Spielen in Turin 2006 gestartet, und ich bin sicher, dass sich der paralympische Sport in Russland weiter positiv entwickeln wird“, so Roschkow.

INFO:

An den Paralympischen Spielen nahmen 547 Sportler aus 45 Ländern teil – so viele wie noch nie zuvor. Während der neun Wettkampftage gab es 72 Entscheidungen in fünf Sportarten. Wie der Präsident des Organisationskomitees von „Sotschi 2014“, Dmitrij Tschernyschenko, sagte, verkauften die Veranstalter der Spiele über 325 000 Tickets. Die Schlusszeremonie der Spiele wurde von über zwei Milliarden Menschen weltweit gesehen.

Alle paralympischen Wettkampfstätten, Unterkünfte und sonstigen Gebäude wurden mit behindertengerechten Parkplätzen sowie barrierefreien Ein- und Ausgängen zu Gebäuden und Zuschauerplätzen ausgestattet. Alle Gebäude, in denen die Paralympioniken wohnten, wurden mit Rampen, Aufzügen mit akustischen Signalen, breiten Gängen und behindertengerechten  WCs und Duschkabinen ausgestattet. Für die sehbehinderten Sportler wurden Schilder in Brailleschrift angefertigt. Auch die Verkehrsknotenpunkte waren vollkommen an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung angepasst: Unter ihnen waren die Fernbahnhöfe und die internationalen Flughäfen von Sotschi, Moskau, Sankt Petersburg und Krasnodar.

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