Nikita Krjukow: Goldhoffnung im Skilanglauf

Seit 2008 gehört er zur Weltspitze und 2010 wurde er Olympiasieger: Goldhoffnung Nikita Krjukow

Nikita Krjukow ist Sportler des Jahres 2013 in Russland. Foto: RIA-Novosti

Ilja Triswjatski, für Russland HEUTE

Nikita Krjukow ist nicht nur Goldmedaillengewinner von Vancouver 2010 im Einzelsprint im klassischen Stil, sondern er ist auch Sportler des Jahres 2013 in Russland. Diese Auszeichnung wurde ihm nach einer Umfrage unter den Zuschauern des staatlichen Fernsehkanals „Rossija 2“ zuteil. In der letzten Saison holte sich Krjukow im italienischen Val di Fiemme den Einzelsprint-Weltmeistertitel im klassischen Stil und den Weltmeistertitel im freien Stil mit der Mannschaft.

Da sich Krjukow in letzter Zeit von einem Spezialisten im klassischen Stil nach und nach zu einem vollwertigen Allrounder entwickelt hat und auch im Skating gute Ergebnisse erzielt, hat die Änderung im olympischen Programm gegenüber Vancouver 2010 keine sonderlichen Auswirkungen auf seine Chance auf einen Podestplatz. Auf der Langlauf- und Biathlonstrecke des Skikomplexes Laura in Krasnaja Poljana nahe Sotschi findet der Einzelsprint im freien Stil am 11. Februar statt, während der Mannschaftswettbewerb im klassischen Stil am 19. Februar ausgetragen wird.

 

Kräfteverhältnisse

In der aktuellen Saison gingen bei den im Rahmen des Weltcups ausgetragenen Sprintrennen im freien Stil die Norweger Anders Gloeersen und Calre Halfvarsson, der Amerikaner Simeon Hamilton, der sich im Rahmen der Tour de Ski in Szene setzte, und der Russe Sergej Ustjugow als Sieger hervor. Die beste Leistung brachte der Italiener Federico Pellegrino, der in allen vier Wettbewerben bis ins Finale vorstieß und zweimal in die Medaillenränge fuhr.

Aber klare Favoriten gibt es in dieser Disziplin nicht. Viele der Mitfavoriten haben einige Sprintrennen ausgelassen, so manch einer möchte sich nicht allzu früh in die Karten schauen lassen. Zu den Titelaspiranten in Sotschi gehört eine Gruppe Norweger, aber auch dem Finnen Martti Julhae ist einiges zuzutrauen.


Der Weg zur Olympiade

Nikita Krjukow wurde am 30. Mai 1985 in der Stadt Dserschinsk, die direkt an die russische Hauptstadt grenzt, geboren. Mit dem Skilanglauf begann Nikita im Alter von sieben Jahren, und bis heute hat ihn der berühmte Spezialist Juri Kaminski, heute Trainer der russischen Nationalmannschaft in den Sprintdisziplinen, unter seinen Fittichen.

„Vor einigen Jahren habe ich als Sportlehrer an einer Schule in Dserschinsk gearbeitet. Damals stand ich noch ganz am Anfang meiner Trainerlaufbahn. Ich habe mir viel Literatur zur Methodik geholt und jede Menge über Sporttheorie in Europa gelesen“, erzählt Juri Kaminski. „Ich wollte unsere russischen Methoden mit den ausländischen kombinieren, um die Wirkung zu beobachten, und so habe ich mit Rückendeckung des Direktors beschlossen, ein Experiment durchzuführen: Statt zwei Stunden Sport die Woche haben wir die Stundenzahl auf fünf erhöht. Ich habe eine Gruppe von Kindern aus der zweiten und dritten Klasse genommen und diese altersgerecht trainiert. Nach einem Jahr haben wir dann Tests durchgeführt: Ich habe die Lehrer gebeten, Schüler aus höheren Klassen mit in die Stunde zu bringen, wobei sich gezeigt hat, dass meine Schützlinge, obwohl sie fünf oder sechs Jahre jünger waren, eine höhere Ausdauer und auch sonst bessere physische Werte hatten als die älteren Kinder. Aus diesem Experiment ist auch Nikita Krjukow hervorgegangen.“

Seinen ersten großen Erfolg feierte Krjukow 2008 mit dem Gewinn der russischen Meisterschaft. Im Jahr darauf fuhr er erstmals bei einer Etappe des Weltcups unter die ersten drei. Zu Olympia in Vancouver reiste er bei Weitem nicht als Favorit an, ihm wurden bestenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Doch er holte Gold – und zugleich auch die erste Goldmedaille für Russland bei den Spielen. Im Finallauf kam Krjukow Kopf an Kopf mit seinem Mannschaftskameraden Alexandr Panschinski ins Ziel, war letztlich aber eine Nasenlänge weiter vorn. Zwei Wochen später wurde Krjukow der Titel „verdienter Meister des Sports“ verliehen.

„Ich habe schon mit 14 Jahren davon geträumt, einmal Olympiasieger zu werden“, erinnert sich Krjukow. „Die Jungs, mit denen ich damals trainiert habe, haben mich noch ausgelacht. Aber ich habe meinen Traum nie aufgegeben.“

Krjukow ärgert es, dass der Langlauf in Russland im Schatten des Biathlon steht, der in den 2000er-Jahren durch ständige Liveübertragungen ungeheuer an Popularität gewann. Und als Nikita zum Sportler des Jahres 2013 gewählt wurde, freute er sich weniger für sich selbst als vielmehr für den Skilanglauf an sich.

„Es ist schon sehr schön, dass sich ein Skilangläufer gegen die ganzen anderen berühmten Sportler durchsetzen konnte“, sagt Krjukow. „Jedenfalls haben meine Kameraden aus der Nationalmannschaft und ich mit unseren Siegen dafür gesorgt, dass sich die Leute aktiv für den Skilanglauf interessieren und die Wettkämpfe in der Loipe verfolgen. Und wir werden versuchen, unseren Sport noch weiter nach vorne zu bringen. Ich hoffe, Olympia wird seinen Teil dazu beitragen.“

Die Berufung in die Olympia-Mannschaft für Sotschi 2014 erhielt Krjukow früher als viele andere aus dem Ski-Team, nämlich bereits im Dezember. In der aktuellen Saison hat er zwei Sprintetappen im Weltcup gewonnen, beide im klassischen Stil. Im italienischen Asiago war er in den Einzelwettbewerben erfolgreich, im tschechischen Nové Město im Mannschaftswettbewerb zusammen mit Maxim Wylegschanin.

„Krjukow hat erneut unter Beweis gestellt, dass er sehr stark ist“, konstatiert Kaminski. „Möglicherweise trägt dazu auch seine Wut im Bauch über den Vorfall während des Weltcups in Davos bei, als ihn die Schiedsrichter, meiner Ansicht nach zu Unrecht, wegen eines Kontakts mit einem anderen Läufer während des Halbfinallaufs disqualifizierten.“

Krjukow ist interessanterweise ein tiefgläubiger Mensch. Dies sagte er einmal in einem seiner wenigen Interviews. Nikita ist der Ansicht, dass zu viel Presserummel einen Sportler nur von seiner eigentlichen Arbeit ablenke. Über sein Privatleben gibt er nur wenig preis. Man weiß, dass er eine Freundin namens Julia hatte, die er bereits vor Vancouver kennengelernt hatte. Aber sie hielt die ständigen Trennungen und Reisen zu Trainingslagern und Wettkämpfen nicht aus, sodass sich die beiden trennten. Swetlana, die Mutter von Krjukow, zitierte ihren Sohn mit den Worten: „Bis Sotschi gibt es für mich kein Privatleben. Es gibt nur ein Ziel: Olympia. Alles andere kommt danach. Mit ein bisschen Glück.“

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