Goldene Träume im Eiskunstlaufen

Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow wollen bei Olympia ganz nach oben auf dem Siegertreppchen.

Foto: RIA Novosti

Anna Kosina, für Russland HEUTE

Die Erwartungen an das russische Eiskunstlaufpaar Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow sind hoch gesteckt. Von ihnen werden in Sotschi Siege im Paarlauf und im Mannschaftswettbewerb, der erstmals bei Olympia ausgetragen wird, erwartet. Dabei ist das Paar erst seit der Saison 2010/2011 zusammen. Davor trat Tatjana gemeinsam mit Stanislaw Morosow für die Ukraine an. Sie gewannen die Landesmeisterschaft und waren bei einigen Grand-Prix-Wettbewerben erfolgreich. Der ganz große Coup jedoch blieb ihnen verwehrt. Maxim schaffte es mit seiner früheren Partnerin Marija Muchortowa dreimal auf das Podest bei Europameisterschaften, doch der psychische Druck in der Mannschaft hat ihn dazu bewogen, sich von Partnerin und Trainer zu trennen.

Schon bei den ersten gemeinsamen Auftritten konnte man spüren, dass Tatjana und Maxim wie füreinander geschaffen sind. Sie wirken nicht nur harmonisch auf dem Eis, sondern  verbringen auch einen großen Teil ihrer Freizeit gemeinsam. Ob sie nun privat ein Paar sind oder ob sie nur, wie sie immer wieder betonen, nur eine platonische Liebe verbindet, bleibt ihr Geheimnis.

 

Vorsicht, tückisches Eis!

Doch der Weg auf das Siegerpodest ist ein Labyrinth und das Eis ist tückisch. Das mussten Tatjana und Maxim in diesem Winter mehrfach erfahren. Bei den ersten Wettkämpfen der Saison lief es prächtig für das Paar. Nach dem Auftritt auf der Grand Prix-Etappe in Detroit von „Skate America“ taute sogar die kritische Trainerin Nina Moser auf und schwärmte: „Es war wunderschön. Ich hatte bei ihrer Kür eine Gänsehaut!“

Doch dann kamen die Rückschläge. Beim Grand Prix-Finale im japanischen Fukuoka patzten  die Schützlinge von Nina Moser in der Kür bei den Sprungelementen. Der erste Platz war futsch und ging an die deutschen Erzrivalen Aljona Savchenko und Robin Szolkowy.

Auch bei den Europameisterschaften 2014 mussten die russischen Mitfavoriten eine bittere Pille schlucken. Wieder gab es Probleme bei den Sprungelementen in der Kür. Nur dank eines überragenden Auftritts im Kurzprogramm konnten Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow die Goldmedaille gegen das zweite russische Paar Ksenija Stolbowa und Fjodor Klimow behaupten. Die deutschen Savchenko-Szolkowy waren bei der Kür aufgrund einer Grippeerkrankung nicht mehr angetreten.

Die Experten kommentierten den Sieg von Tatjana und Maxim verhalten. So schrieb die dreifache Olympiasiegerin im Paarlauf und sowjetische Eiskunstlauflegende Irina Rodnina in ihrem Twitter-Microblog: „Ich gratuliere, aber ohne beleidigend werden zu wollen, würde ich mir künftig einen konzentrierteren Auftritt und eine kämpferischere Einstellung wünschen.“

 

Die Konkurrenz lauert

„Wir gehen davon aus, dass die Russen nicht unbesiegbar sind“, so das Urteil von Ingo Steuer, Trainer des Kunstlaufpaares Aljona Savchenko und Robin Szolkowy, die zweifelsohne die Hauptkonkurrenten von Wolososchar-Trankow um den olympischen Thron sind. Aljona und Robin hatten bei Olympia 2010 als amtierende Weltmeister enttäuscht und nur die Bronzemedaille geholt. Dennoch, die Liste ihrer Erfolge kann sich sehen lassen. Immerhin sind sie vierfacher Weltmeister (2008, 2009, 2011, 2012) und vierfacher Europameister (2007-2009, 2011).

Hinter dem deutschen und dem russischen Paar wird es sicher einen erbitterten Kampf um Bronze geben. Zum Kandidatenkreis zählen alle Teilnehmer des Grand Prix-Finales. Das sind die Chinesen Qing Pang-Jian Tong und Cheng Peng-Hao Zhang, die Kanadier Meagan Duhamel und Eric Radford sowie Kirsten Moore-Towers und Dylan Moscovitch. Dazu kommen noch die Russen Stolbowa-Klimow und Basarowa-Larionow. Auch diese beiden Paare, die bei der Europameisterschaft hinter Wolososchar-Trankow die Plätze zwei und drei belegt hatten, werden von Nina Moser trainiert.

„Unsere Fans und auch die Journalisten sind uns gegenüber ziemlich kritisch eingestellt“,  erklärte Maxim jüngst besorgt. „Aber verstehen Sie, wir hatten nur drei Jahre, um uns auf die Olympischen Spiele vorzubereiten. Andere hatten viel mehr Zeit. Und anfangs lief doch alles sehr gut. In letzter Zeit hatten wir einige Probleme, das kommt vor“, so Maxim. Vielleicht sei er, so seine Analyse, zu Beginn der Saison zu selbstsicher gewesen. Manchmal müsse man auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, um neue Motivation zu tanken. Die anfängliche Siegesserie habe ihn sogar etwas verunsichert. „Aber lieber jetzt Rückschläge hinnehmen, als zu Olympia“, gibt sich Maxim selbstkritisch. „Ich hoffe, ich habe mein Kontingent an Fehlern und Stürzen aufgebraucht“, fügt er hoffnungsvoll hinzu.

Der Olympiasieger im Paarlauf von Turin 2006 Maxim Marinin ist davon überzeugt, dass Wolososchar-Trankow sich nur selbst besiegen können: „Im Moment sind Maxim und Tatjana, solange sie ohne Fehler durchkommen, konkurrenzlos. Sollten sie jedoch patzen, hätten die Deutschen eine Chance. Auch andere Paare könnten durchaus über sich hinauswachsen.

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