Alexander Subkow: Der goldene Versuch

Als eifriger Titelsammler wurde er zu Recht zum Fahnenträger der russischen Mannschaft gewählt. Nun soll Gold im Bob folgen.

Foto: RIA Novosti

Alexander Jerastow, für Russland HEUTE

„Die Angst fährt immer mit“, bestätigt der 39-jährige Alexander Subkow, der bereits seit mehr als 20 Jahren im Profisport aktiv ist. Allerdings sieht Alexandr das philosophisch: „Wenn die Angst einmal weg ist, dann kann man in diesem Sport auch gleich aufhören. Ohne Adrenalin bleiben auch die Ergebnisse aus. Wenn du seelenruhig am Start stehst, erreichst du nichts.“

Alexandr Subkow hat fast alles erreicht, von der Weltmeisterschaft über die Europameisterschaft bis hin zu olympischem Silber und Bronze. Und in Sotschi schickt er sich an, das fehlende Puzzleteilchen in seiner Sammlung zu holen: olympisches Gold.

Bevor er zum Bobsport kam, war Subkow Rodler. Als solcher wurde er Junioren-Weltmeister und nahm an den Olympischen Spielen 1998 in Nagano teil, wo er den 20. Platz belegte. In Nagano schlug man ihm vor, in den Bob zu wechseln. Und genau das tat Subkow auch. „Ich fand Interesse daran“, erinnert er sich. „Es war ein Gefühl, als ob man ein schweres Auto steuerte.“ Aus professioneller Sicht sei es am schwierigsten gewesen, sich aus der Weltspitze in einem Sport zu verabschieden, um in einem anderen von Null zu beginnen: „Ich war ein völliger Nobody!“

Aber das sollte sich bald ändern. 2011 holte sich Alexandr Subkow den Weltmeistertitel im Bob, außerdem wurde er mehrfacher Europameister und Weltcup-Sieger sowie olympischer Silber- und Bronzemedaillengewinner. Heute gehört er zu den aussichtsreichsten Titelaspiranten. So ließ der amerikanische Bobpilot Steven Holcomb kurz vor den Spielen in Sotschi wissen: „Subkow wird auf seiner Hausstrecke stark sein. Das ist ein wichtiger Vorteil. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ins Hintertreffen geraten.“

 

Die Legende ging – und kehrte für Sotschi zurück

In der vorolympischen Saison lief es für Subkow gut – zweimal Silber und Bronze beim Weltcup, und das, obwohl die russischen Teams weniger auf Ergebnis fuhren als vielmehr verschiedene technische und taktische Neuheiten ausprobierten, die ihnen der Cheftrainer der russischen Nationalmannschaft, der Kanadier deutscher Abstammung Pierre Lueders, ins Lastenheft geschrieben hatte.

Natürlich hat Subkow sich mit der Heimstrecke in Sotschi bestens vertraut gemacht, wobei gerade der Heimvorteil seiner Meinung nach bei den Sportlern für besonderen Druck sorge. Doch Fachleute sind der Ansicht, dass die Bahn in Sotschi Subkow durch ein paar technische Besonderheiten in der Streckenführung entgegenkomme. Sie ist eher flach und hat relativ wenige scharfe Kurven, sodass der Startgeschwindigkeit eine besondere Bedeutung zukommt, und genau darin gehören die russischen Teams zur Weltspitze.

Nach den Spielen 2010 kam es im russischen Bob- und Skeletonverband zu einem handfesten Skandal. „In der Vorbereitung zu Olympia ist man mit den Sportlern umgegangen wie mit Sklaven“, hieß es in einem offenen Brief der Bobfahrer an den russischen Präsidenten, den auch Alexandr Subkow unterzeichnet hatte. Der Brief, der die Arbeit des Sportverbands kritisierte, bewirkte letztlich nichts. Die Bob-Legende erklärte daraufhin ihr Karriereende.

Subkow nahm das Angebot der Leitung des Gebiets Irkutsk an, das Amt des Sportministers der Region zu übernehmen. Aber in dieser Funktion hielt es den Sportler nicht sehr lange. Kurz nach seiner Ernennung kam es im Verband letztlich doch noch zu vielen radikalen Änderungen, und so beschloss der Bobpilot, seine Karriere fortzusetzen. „Ich bin froh, dass ich in den Leistungssport zurückgekehrt bin“, erklärt Subkow. Und er fügt ganz offen hinzu: „Im Visier hatte ich dabei die Heimolympiade in Sotschi.“

Nach Meinung des Sportlers werde der Kampf zwischen den Mannschaften aus Russland und Deutschland im Fokus stehen. „Da ich für die Deutschen der größte Konkurrent bin, kennt man mich dort gut“, sagt er lächelnd. Doch die Deutschen sind nicht seine einzigen Konkurrenten: „Schweiz, Kanada, USA und Lettland sind ebenfalls ernstzunehmende Medaillenanwärter.“

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